

Nach dem Anstieg auf ein Hoch von 225,64 USD in der IPO-Woche hat SpaceX inzwischen mehr als 50 % verloren. Die Aktie notiert aktuell nur knapp über ihrem Allzeittief von 112,55 USD. Die Erwartungen wurden deutlich gedämpft, die Stimmung hat sich eingetrübt und viele Anleger agieren inzwischen deutlich vorsichtiger. Die entscheidende Frage ist nun, ob das Management das Vertrauen in die langfristige Wachstumsstory zurückgewinnen kann oder ob die kurzfristigen Belastungsfaktoren für Anleger weiter im Vordergrund stehen.
Der Konsens rechnet mit einem weiteren Quartal, das von hohen Investitionen und ambitionierten Wachstumsplänen geprägt ist.

(Quelle: Bloomberg)
Für den Umsatz werden rund 6,9 Mrd. USD geschätzt, für das bereinigte EBITDA etwa 2,1 Mrd. USD. Gleichzeitig dürfte erneut ein Quartalsverlust anfallen, da das Management weiterhin umfangreich in KI-Infrastruktur, Starlink und Starship investiert. Der freie Cashflow dürfte deutlich negativ bleiben, da die Investitionen weiter zunehmen und viele Marktteilnehmer davon ausgehen, dass die aktuelle Investitionsphase bald ihren Höhepunkt erreicht.
Letztlich scheinen sich nur wenige Anleger ausschließlich dafür zu interessieren, ob SpaceX die Umsatzerwartungen um einige hundert Millionen Dollar übertrifft.
Vielmehr geht es darum, zu zeigen, dass das Unternehmen weiter auf Kurs ist.
Die vielleicht wichtigste Frage ist, ob das Management weiterhin davon ausgeht, dass Starship noch vor Jahresende erstmals kommerzielle Nutzlasten ins All befördern wird.
Jede Verzögerung verschiebt die Wirtschaftlichkeit wiederverwendbarer Startsysteme nach hinten und vor allem auch das langfristige Potenzial orbitaler KI-Infrastruktur, die vielen bullischen Bewertungsmodellen zugrunde liegt. Auch Morgan Stanley sieht die Zeitpläne rund um Starship als einen der zentralen Einflussfaktoren für die Aktie.
Zunehmend wird SpaceX nicht nur als Raumfahrtunternehmen, sondern auch als KI-Aktie wahrgenommen.
Anleger werden nach Hinweisen suchen, dass die jüngsten Compute-Verträge tatsächlich zu nachhaltigen Umsätzen führen. Im Fokus stehen außerdem Fortschritte beim Ausbau der Rechenkapazität auf 2 GW, Aussagen zur Nutzung von Grok sowie die Frage, ob die Übernahme von Cursor die Monetarisierung beschleunigen kann.
Morgan Stanley weist darauf hin, dass viele Anleger dem KI-Geschäft derzeit nur einen geringen oder sogar gar keinen Wert beimessen, vor allem wegen der Unsicherheit rund um die Monetarisierung und des enormen Kapitalbedarfs für den Ausbau der Infrastruktur. Sollte das Management hier mehr Klarheit schaffen, könnte daraus erhebliches Aufwärtspotenzial entstehen.
Starlink bleibt die Cash-Maschine des Unternehmens.
Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer ist gesunken, da SpaceX international expandiert und dort häufig günstigere Angebote einführt. Anleger dürften vor allem darauf achten, ob sich der ARPU stabilisiert und gleichzeitig das Abonnentenwachstum sowie das Enterprise-Geschäft robust entwickeln.
Die Kombination aus Abonnentenwachstum und einem besseren Umsatzmix dürfte in der zweiten Jahreshälfte zu einer spürbaren Verbesserung der Bruttomargen führen.
Der Konsens rechnet mit einer deutlichen Verbesserung der Bruttomarge gegenüber dem ersten Quartal, da margenstärkere KI-Umsätze zunehmend ins Gewicht fallen.
Angesichts des aktuellen Aktienkurses könnte jede Enttäuschung die Sorge verstärken, dass die Monetarisierung länger dauert als bislang erwartet.
Wichtiger als die ausgewiesene Zahl dürften die Aussagen des Managements zu den weiteren Investitionsplänen sein.
Der Konsens rechnet mit einem weiteren Quartal hoher Investitionen. Anleger wollen jedoch die Bestätigung, dass sich die kapitalintensivste Phase allmählich dem Ende nähert und sich der freie Cashflow in der zweiten Jahreshälfte verbessert.
Normalerweise stehen bei Quartalszahlen die Fundamentaldaten im Mittelpunkt.
Bei SpaceX ist das anders.
Nach Einschätzung von Morgan Stanley nähert sich die Aktie derzeit dem sogenannten „Max Q" – einem Begriff aus der Luft- und Raumfahrt, der den Punkt maximaler aerodynamischer Belastung während eines Starts bezeichnet. Der Hintergrund: Die Aktie steht derzeit unter erheblichem technischem Druck, da in den kommenden Monaten weitere Lock-up-Fristen auslaufen und die Zahl der frei handelbaren Aktien deutlich steigt.
Das erklärt, warum viele Anleger inzwischen deutlich vorsichtiger agieren, obwohl sich an den langfristigen Perspektiven des Unternehmens kaum etwas geändert hat.
Die Aktie notiert mehr als 50 % unter ihrem Höchststand, das Short-Interest zählt zu den höchsten innerhalb der Vergleichsgruppe und die Optionen signalisieren für die Zeit nach den Quartalszahlen eine Bewegung von rund ±14 %. Daraus ergibt sich eine erwartete Handelsspanne von etwa 96,60 bis 128,50 USD nach den Ergebnissen. Das zeigt, wie groß die Unsicherheit rund um diese Zahlen aktuell ist.
Aus technischer Sicht bleibt der Markt fragil.
Auf der Oberseite liegt der nächste Widerstandsbereich zwischen 118 und 122 USD, gefolgt von 130 USD und anschließend dem Bereich zwischen 168 und 177 USD, sollte sich die Aufwärtsdynamik fortsetzen.
Auf der Unterseite bleibt der Bereich um 107 USD die wichtigste Unterstützung. Fällt die Aktie nachhaltig unter dieses Niveau, dürfte die psychologisch wichtige Marke von 100 USD rasch in den Fokus rücken.
Diese Quartalszahlen wirken wie einer jener Termine, bei denen die Aussagen des Managements wichtiger sind als die eigentlichen Geschäftszahlen.
Die Wall Street rechnet weitgehend mit einem weiteren Quartal hoher Investitionen und erhöhter Verluste. Was Anleger wirklich sehen wollen, ist die Bestätigung, dass Starship weiterhin auf Kurs ist, die KI-Monetarisierung an Fahrt gewinnt, Starlink profitabel weiterwächst und sich der aktuelle Investitionszyklus seinem Höhepunkt nähert.
Nach einem Rückgang von 50 % gegenüber den Hochs sind die Erwartungen deutlich realistischer geworden. Das verschafft dem Management etwas mehr Spielraum. Gleichzeitig dürfte der Markt konkrete Fortschritte sehen wollen, die zeigen, dass die Umsetzung mit den ambitionierten Zielen Schritt hält.
Wenn Elon Musk Anleger davon überzeugen kann, dass die nächste Wachstumsphase weiter klar auf Kurs ist, könnte dies den Wendepunkt für die Marktstimmung markieren. Falls nicht, könnten die schwache Positionierung vieler Anleger, die erhöhte Volatilität und die anhaltende Unsicherheit rund um die Umsetzung die Aktie weiter unter Druck setzen.
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